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Apropos Leben Hausmittel bei Fernweh

Von rb - 30.05.2020 - 08:00 Uhr
Apropos Leben // © Goodboy Picture Company
Foto: Apropos Leben // © Goodboy Picture Company
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Es ist so schade. Es ist so schade, dass wir nicht mehr verreisen können. Jedenfalls nicht so bald, wenn es nach den Entscheidern geht. Das hat sicherlich aus gesundheitspolitischen Gründen seine Berechtigung. Andererseits leiden darunter wichtige Branchen, wie Gastronomie und Tourismus. Ein echtes Dilemma. Wahrscheinlich wird es so sein, dass wir zuerst die eigene Heimat wieder bereisen dürfen. Das könnte eng werden, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Kapazitäten sind ja begrenzt. Danach könnte das benachbarte Ausland touristisch geöffnet werden. Immerhin gehören diese Länder ohnehin zu den beliebtesten Reisezielen. Und erst, wenn die Pandemie wirklich überwunden ist, kann man an Fernreisen wieder denken. Zum Glück gibt es ja technische Möglichkeiten, diese Erlebnisse zumindest virtuell zu kompensieren. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Per Streaming kann man in Echtzeit an touristischen Events teilnehmen, die ihrerseits natürlich den verordneten Einschränkungen unterliegen. Oder man greift zurück auf tausende von Videos, die auf entsprechenden Internetplattformen an bessere Tage erinnern. Reiseberichte zu fast jedem Ort auf der Welt gibt es zu bestaunen. Wer dem geschriebenen Wort zugetan ist, der kann solche Berichte auch in Buchform konsumieren oder sich als Hörbuch vorlesen lassen. Das spornt die Fantasie vielleicht sogar noch mehr an. Reiseberichte gibt es aus der Vergangenheit von bekannten Dichtern oder als Reiseführer mit Gegenwartsbezug, dazu die entsprechenden Tipps zu Sightseeing, Unterkunft und kulinarischen Genüssen. Virtuelle Spaziergänge und Guided Tours mit kundigen Erläuterungen stehen ebenfalls im Netz zur Verfügung. Manche sind kostenfrei, andere sind mit einem kleinen Obolus verbunden, welcher der notleidenden Destination zugutekommt. Auch mit Online-Games können wir uns in Raum und Zeit bewegen und an Abenteuern in spannendem Ambiente teilhaben. 

 

Um das Fernweh zu lindern, wie fern dies auch sein mag, können alle Sinne angesprochen werden. Da haben sich Veranstalter in dieser Hinsicht viel einfallen lassen. Zum Beispiel Kochkurse oder Weinseminare zu bestimmten Regionen, wobei hier das Infotainment eine große Rolle spielt. Den Wein kann man sich danach online bestellen und die Rezepte zuhause nachkochen. So hat man einen kleinen Vorgeschmack auf die Dinge, die später vor Ort nachgeholt werden können.  Träumen, schmecken, erleben - denn Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude. Kulturelle Highlights wie Museen und architektonische Sehenswürdigkeiten sind in 360°-Präsentationen zu bewundern, ebenso blühende Parks und Naturereignisse mit exotischem Flair. Die Erinnerungen an den letzten Wellness-Urlaub kann man auch zuhause auffrischen, Düfte und einschmeichelnde Musik tun ebenfalls ihre Wirkung im heimischen Badezimmer. In der Kombination von Sehen, Hören, Fühlen und Schmecken entsteht zumindest eine akzeptable Illusion des wahren Erlebnisses. Denn unser Gehirn ist ja in dieser Hinsicht ein wahrer Tausendsassa. Indem wir das Erlebnis simulieren, können wir ähnliche Gefühle hervorrufen, wie sie bei realem Erleben entstehen. Den Spiegelneuronen sei Dank. Diese sind im Gehirn dafür verantwortlich, dass wir Empathie mit anderen Lebewesen empfinden können, allerdings auch ganz allgemein für emotionale Anteilnahme an Dingen, die uns über unsere Sinne vermittelt werden. Ohne diese kleinen Helfer würden wir im Kino weder lachen noch weinen. Die jetzige Phase in der Menschheitsgeschichte - und Seuchen hat es immer wieder gegeben – können wir mit den Errungenschaften der modernen Wissenschaft und Technik sowohl medizinisch als auch psychisch viel besser bewältigen als frühere Generationen. Und eines ist klar: Alles geht vorüber, alles geht vorbei – in guten, wie in schweren Zeiten. 

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