Direkt zum Inhalt
Risiken für LGBTIQ+-Fußballfans

Risiken für LGBTIQ+ Sorge vor Diskriminierung und Einreiseprobleme bei Fußball-WM

ms - 09.06.2026 - 11:30 Uhr
Loading audio player...

Amnesty International und zahlreiche Organisationen der US-Zivilgesellschaft haben vor möglichen Menschenrechtsrisiken für Besucherinnen und Besucher der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den Vereinigten Staaten gewarnt. Nach Einschätzung der Verbände habe sich die Menschenrechtslage in den USA in den vergangenen Monaten weiter verschlechtert, insbesondere für LGBTIQ+-Menschen. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Amnesty International und zahlreiche US-Organisationen veröffentlichen Reisehinweise zur Fußball-WM 2026.
  • Die Menschenrechtslage in den USA habe sich in den vergangenen Monaten weiter verschlechtert.
  • Besonders betroffen seien Angehörige ethnischer Minderheiten und LGBTIQ+-Personen.
  • Für trans* und nicht-binäre Menschen werden Risiken bei Visaanträgen und der Einreise genannt.
  • Amnesty warnt vor verschärften Einreisekontrollen, Überwachung und möglichen Menschenrechtsverletzungen.
  • Die Organisationen kritisieren fehlende Garantien von FIFA, Austragungsorten und US-Regierung.
  • Reisenden wird geraten, Notfallpläne vorzubereiten und Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.

Offizielle Reisewarnungen zur WM

„Razzien und Gewalt gegen Migrant*innen, Unterdrückung von Protesten, Verletzung der Privatsphäre, Diskriminierung: Die Menschenrechtslage in den USA hat sich in den vergangenen Monaten noch weiter verschlechtert“, heißt es in den veröffentlichten Reisehinweisen. Dies stelle eine Gefahr für Besucherinnen und Besucher der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer dar. Amnesty International kritisiert, dass weder der Fußball-Weltverband FIFA noch die Austragungsorte und die US-Regierung „zielführende Maßnahmen ergriffen oder Garantien abgegeben“ hätten, um an dieser Situation etwas zu ändern.

Die Fußball-WM der Männer findet 2026 in Kanada, Mexiko und den Vereinigten Staaten statt, Start ist Donnerstag dieser Woche. In den USA werden die Spiele in elf Städten ausgetragen. Nach Einschätzung der Organisationen stellen die zunehmenden autoritären Praktiken und der Gewalteinsatz der Regierung zwar eine Gefahr für alle Menschen in den USA dar, besonders betroffen seien jedoch Migranten, Angehörige ethnischer Minderheiten und LGBTIQ+-Personen. „Sie sind einem besonders hohen Risiko ausgesetzt, wenn sie in die USA einreisen beziehungsweise sich in den USA bewegen.“ Mit den Reisehinweisen appellieren Amnesty International und die beteiligten Organisationen an Fans und Spieler, Journalisten sowie weitere Besucher, bei Reisen in die USA besondere Vorsicht walten zu lassen und überdies einen Notfallplan vorzuhalten.

Queere Menschen im Fokus

Besondere Aufmerksamkeit widmen die Hinweise den Risiken für trans* und nicht-binäre Menschen. Demnach deuten jüngste Memoranden und Verordnungen darauf hin, dass queere Personen bei Visa-Anträgen ihr bei der Geburt dokumentiertes Geschlecht angeben müssen. „Tun sie dies nicht, besteht die Gefahr, dass sie strenger kontrolliert werden oder ihnen die Einreise verweigert wird.“

Grundsätzlich warnen die Organisationen vor einer möglichen willkürlichen Verweigerung der Einreise. Selbst ein bereits genehmigtes Visum oder eine elektronische Einreisegenehmigung (ESTA) garantiere keine Einreise in die Vereinigten Staaten. Die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde verfüge über einen großen Ermessensspielraum bei Entscheidungen über Einreise, Zurückweisung oder Festnahme von Reisenden. Darüber hinaus weisen die Organisationen auf verschärfte Reise- und Einreisebeschränkungen hin. Im Januar 2026 verhängte die Trump-Regierung umfassende Reisebeschränkungen für Staatsangehörige von 19 Ländern. 

Durchsuchung von Social-Media-Kanälen

Kritisiert wird zudem die Durchleuchtung von Social-Media-Konten sowie die Durchsuchung elektronischer Geräte bei der Einreise. Für bestimmte Visa-Kategorien müssten Antragstellerinnen und Antragsteller dem US-Außenministerium Zugriff auf ihre Social-Media-Konten gewähren, damit diese auf „anti-amerikanische“ und „antisemitische“ Inhalte überprüft werden könnten. Zudem beanspruche das Heimatschutzministerium weitreichende Befugnisse zur Kontrolle elektronischer Geräte an den Grenzen. Die Reisehinweise verweisen außerdem auf eine nach Angaben der Organisationen „gewalttätige und verfassungswidrige Durchsetzung der Einwanderungsbestimmungen“, die auch Racial Profiling und Diskriminierung umfasse.

Die Organisationen warnen zudem vor Einschränkungen der Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Demonstranten würden eingeschüchtert, schikaniert oder gewaltsam angegriffen. „Im Juli 2025 machten mehr als 90 zivilgesellschaftliche Organisationen in einem Brief an die FIFA darauf aufmerksam, dass Personen, die politische Ansichten äußern, die der Regierung missfallen, nach wie vor Gefahr laufen, willkürlich inhaftiert und abgeschoben zu werden.“ Auch Journalisten seien betroffen. Ihnen drohten Festnahmen bei der Berichterstattung über Proteste. Darüber hinaus würden Sicherheitsbehörden bei der Überwachung von Demonstrationen auf Drohnen, Gesichtserkennungssoftware und Telefonüberwachung zurückgreifen.

Vorsorge für Reisende  

Vor diesem Hintergrund empfehlen die unterzeichnenden Organisationen Reisenden, sich über ihre Rechte zu informieren, elektronische Geräte abzusichern, Vertrauenspersonen über Reisepläne zu informieren und für Notfälle vorzusorgen. Journalisten wird geraten, spezielle Sicherheitsangebote von Medienrechts- und Pressefreiheitsorganisationen zu nutzen. Die Reisehinweise wurden gemeinsam von Amnesty International USA, der American Civil Liberties Union (ACLU), Human Rights First, Reporters Without Borders (RSF), dem National Immigration Law Center sowie zahlreichen weiteren Menschenrechts-, Bürgerrechts-, LGBTIQ+-, Migrations- und Journalistenorganisationen veröffentlicht.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Abnehmspritze und Sexualität

Unterschiedliche Effekte bei GLP-1

GLP-1-Spritzen können laut Fachleuten nicht nur beim Abnehmen helfen, sondern auch das Sexualleben beeinflussen – mit gegensätzlichen Auswirkungen.
Pride im New Yorker Rathaus

Ehrungen für LGBTIQ+-Engagement

Mit einem erstmals veranstalteten Pride Ball im New Yorker Rathaus hat der Stadtrat die LGBTIQ+-Geschichte der Metropole gewürdigt.
Gewalt in den Niederlanden

Zunahme queerfeindlicher Vorfälle

Die Angriffe auf LGBTIQ+-Menschen in der niederländischen Region Utrecht sind massiv angestiegen. Ein Warnsignal für das ganze Land.
Schockfinale bei Tip Toe

Britische Zuschauer sind entsetzt

Spoiler Alert: Das Finale der LGBTIQ+-Serie „Tip Toe“ sorgt mit einer brutalen Gewalttat und einer Warnung für heftige Reaktionen in Großbritannien.
Coming-Out im Rugby

Kane Evans ist schwul

Ex-Rugby-Profi Kane Evans hat sich als schwul geoutet und über seinen jahrelangen Kampf mit Selbstzweifeln, Sucht und Suizidgedanken gesprochen.
Stonewall Award für Biden

Ex-Präsident für Engagement geehrt

Der frühere US-Präsident Joe Biden ist für sein langjähriges Engagement für LGBTIQ+-Rechte ausgezeichnet worden und hat der Community Mut zugesprochen
Neonazi-Aufmarsch beim Pride

Hakenkreuzflagge und Hassparolen

Eine Neonazi-Gruppe hat eine Pride-Veranstaltung im US-Bundesstaat Georgia gestört und mit Nazi-Symbolen sowie homophoben Parolen für Empörung gesorgt
Rekordniveau Hass-Kriminalität

13 Prozent mehr LGBTIQ+-Straftaten

Hasskriminalität auf Rekordniveau und Straftaten gegen LGBTIQ+ nehmen um fast 13 Prozent zu, so die neusten Daten des BKA.
Hassgewalt in Bayern

Erneute Zunahme der Fallzahlen

Die Fälle von Hasskriminalität gegen LGBTIQ+-Menschen haben in Bayern erneut zugenommen. Das Thema wird ein CSD-Schwerpunkt in München sein.